NDR1 Plattenkiste

Plattenkiste

Team von der Grundschule Bühren aus Emstek-Bühren gestaltet die Sendung Plattenkiste von NDR 1 Niedersachsen

Viel zu erzählen gab es in der Sendung „Plattenkiste“ bei NDR 1 Niedersachsen. Am 21. September zwischen 12 und 13 Uhr unterhielten sich Marlies Scheele, Tina Nienaber und Christine Braun mit Moderator Michael Thürnau über 100 Jahre Grundschule Bühren in Emstek im Kreis Cloppenburg.

Vieles ist noch in Ordnung in der kleinen Grundschule, sagt Marlies Scheele überzeugt. Sie ist gern Lehrerin. Die meisten Kinder kommen aus dem Ort - in jeder Jahrgangsstufe gibt es nur eine Klasse. Insgesamt neun Lehrer kümmern sich auf eher familiäre Art in der kleinen Schule um ihre Schülerinnen und Schüler. Hier wird noch versucht, jedes einzelne Kind seinen Fähigkeiten entsprechend zu fördern. Eine Schule gab es schon viel länger in Bühren, aber ein Teil des Schulgebäudes ist jetzt 100 Jahre alt. 1914 ging es bereits los, erzählt sie, doch in den Wirren des Ersten Weltkrieges ist es wohl kaum zu einer Einweihung gekommen - oder die entsprechenden Unterlagen sind längst verloren gegangen. Inzwischen wurde die Schule natürlich immer wieder erweitert und umgebaut. "Wir sind ein Frauenhaus", lacht sie - nur ein männlicher Kollege ist zu ihnen abgeordnet. Mancher Dienst der Schüler - wie Hefte einsammeln - ist von den Kindern heiß begehrt, berichtet Marlies Scheele.

Tina Nienaber unterrichtet Deutsch, Sachunterricht und Religion. Aber notfalls springt sie auch für alle anderen Fächer ein. Eine Herausforderung ist die Organisation, wenn beispielsweise Flüchtlingskinder neu in die Klasse kommen - aber das kriegen sie in der kleinen Grundschule gut in den Griff. Eine kleinere Schule hat hier Vorteile auch in Sachen individueller Betreuung, im Unterricht wie bei den Hausaufgaben. Tina Nienaber hat aber auch schon an einer Schule mit 400 Schülern unterrichtet: Sie kennt deshalb den Unterschied, ob nun 10 oder gleich 28 Kinder in einer Klasse sitzen. Im Vergleich der Schule mit dem Unterricht vor 100 Jahren sieht sie natürlich Vorteile: Keine Strafen wie früher, kein Frontalunterricht mehr - heute werden die Kinder auf ganz andere Art zu mehr selbstständigem Denken erzogen.

Nach der Silbenmethode lernen die Kinder sehr schnell das Lesen, erläutert Christine Braun. Für das Buch "100 Jahre Grundschule Bühren" wurden neben den Grundschülern auch Mütter, Väter und Großeltern eingeladen, sich zu erinnern und aus ihrem Schulalltag zu berichten. So ist eine Chronik entstanden, in der sie sich größtenteils lächelnd an ihre eigenen Erlebnisse erinnern. Die Lieblingsgeschichte von Christine Braun ist auf Plattdeutsch geschrieben - über Ameisen. Die erkannte die Schülerin nicht auf Hochdeutsch ... Durch die sehr persönlichen Geschichten erfährt man einiges über das Leben der Beteiligten und die früheren Zeiten der Schule. Marlies Scheele beschreibt die Stationen, an denen die Schüler, Eltern und Großeltern ihre Geschichten für das Buch niederlegen konnten. Auch sie hat eine Lieblingsgeschichte in der Sammlung: Eine Schülerin - zu Hause kurz "Lene" gerufen - wurde vom Lehrer als "Maria Helena" angesprochen und reagierte gar nicht, weil sie diese Anrede mit dem Taufnamen nicht auf sich bezog.

In der vergangenen Woche hat ein Projekt allen großen Spaß gemacht: Schule wie vor 100 Jahren. Niemand durfte unaufgefordert sprechen, die Grundschüler mussten aufstehen, wenn der Lehrer eintrat oder sie seine Fragen beantworteten, auch Hände vorzeigen gehörte dazu - und historisch kostümiert waren Kinder wie Erwachsene bei dieser Gelegenheit auch.